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Ausbildung nach dem Studienabbruch - verkürzen, anrechnen, einsteigen

Stand: 01. Juni 2026

Allgemeine Information ohne Gewähr - keine Rechts-, Steuer- oder Sozialberatung und keine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit. Verbindlich sind allein die Auskünfte der jeweils zuständigen Stelle.

Ein Studienabbruch ist kein Einzelfall. Nach den Erhebungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) beenden rund 28 Prozent aller Bachelorstudierenden in Deutschland ihr Studium ohne Abschluss; in Mathematik und Naturwissenschaften liegt die Quote bei etwa 50 Prozent. Für viele dieser Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher ist eine duale oder schulische Berufsausbildung der nächste sinnvolle Schritt - mit kurzem Einstieg, formal anerkanntem Abschluss und der Option, später über Aufstiegsfortbildung, Fachwirt, Meister oder Bachelor Professional weiterzugehen. Bereits erbrachte Studienleistungen können dabei zu einer Verkürzung der Ausbildungsdauer führen.

Warum Ausbildung statt direkter Berufseinstieg?

Ohne abgeschlossenes Studium ist der direkte Einstieg in qualifizierte Tätigkeiten in Deutschland erschwert, weil viele Berufsbilder formal an einen anerkannten Abschluss gebunden sind. Eine duale Berufsausbildung schließt diese Lücke mit überschaubarem Zeitaufwand:

Wer das Studium noch nicht offiziell beendet hat, findet die nötigen Schritte im Ratgeber Exmatrikulation beantragen.

Brücken-Berufsbilder nach abgebrochenem Studienfach

Die folgende Übersicht nennt Ausbildungsberufe, die inhaltlich an typische Studiengänge anschließen und in der Beratungspraxis der Industrie- und Handelskammern sowie der Bundesagentur für Arbeit am häufigsten empfohlen werden. Die Liste ist nicht abschließend.

Abgebrochenes Studienfach Anschlussfähige Ausbildungsberufe
Informatik, Wirtschaftsinformatik Fachinformatiker/in (Anwendungsentwicklung, Systemintegration, Daten- und Prozessanalyse, Digitale Vernetzung); IT-System-Elektroniker/in; Kaufmann/-frau für IT-System-Management; Kaufmann/-frau für Digitalisierungsmanagement
Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Wirtschaftswissenschaften Industriekaufmann/-frau; Bankkaufmann/-frau; Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzanlagen; Steuerfachangestellte/r; Kaufmann/-frau für Büromanagement
Lehramt, Pädagogik, Soziale Arbeit Erzieher/in (schulische Ausbildung an Fachschulen); Sozialassistent/in; Heilerziehungspfleger/in; Kaufmann/-frau im Gesundheitswesen
Medizin, Pharmazie, Zahnmedizin Medizinische/r Fachangestellte/r (MFA); Pharmazeutisch-technische/r Assistent/in (PTA); Operationstechnische/r Assistent/in (OTA); Anästhesietechnische/r Assistent/in (ATA); Pflegefachfrau/-mann
Maschinenbau, Elektrotechnik, Mechatronik Industriemechaniker/in; Mechatroniker/in; Elektroniker/in für Betriebstechnik; Zerspanungsmechaniker/in; technische/r Produktdesigner/in
Bauingenieurwesen, Architektur Bauzeichner/in; Vermessungstechniker/in; Hochbaufacharbeiter/in mit späterer Spezialisierung; Bauwerksmechaniker/in
Rechtswissenschaft Rechtsanwaltsfachangestellte/r; Notarfachangestellte/r; Verwaltungsfachangestellte/r; Sozialversicherungsfachangestellte/r

Eine erweiterte Suche nach Berufsbild, Region und freier Lehrstelle bietet die BerufeNet-Datenbank der Bundesagentur für Arbeit.

Verkürzung der Ausbildungsdauer - Rechtsgrundlage und Praxis

Rechtsgrundlage ist § 8 BBiG (für Handwerksberufe inhaltsgleich § 27c HwO). Auf gemeinsamen Antrag des Ausbildungsbetriebs und der Auszubildenden verkürzt die zuständige Kammer die Ausbildungsdauer, wenn das Ausbildungsziel voraussichtlich auch in der verkürzten Zeit erreicht wird.

Die Praxis der Kammern orientiert sich an folgenden Richtwerten:

Vorbildung Verkürzung (typisch)
Abitur oder Fachhochschulreife bis zu 12 Monate
Mindestens 30 ECTS in einschlägigem Studienfach zusätzlich bis zu 6 Monate (kumulativ regelmäßig auf 12 Monate begrenzt)
Erfolgreich absolviertes Grundstudium / Vordiplom-Niveau bis zu 12 Monate, in Einzelfällen mehr
Vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung (§ 45 Abs. 1 BBiG) zusätzlich möglich bei überdurchschnittlichen Leistungen

Der Antrag soll möglichst früh, in der Regel bei Vertragsabschluss, gestellt werden. Spätester Zeitpunkt ist nach Verwaltungspraxis der Kammern ein Jahr vor dem regulären Prüfungstermin, damit nach Verkürzung mindestens zwölf Monate Restlaufzeit verbleiben. Einzelne Kammern bieten für Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher eigene, verkürzte Klassen in der Berufsschule an, in denen etwa die Ausbildung zum Fachinformatiker in 18 statt 36 Monaten absolviert wird.

Anrechnung von Studienleistungen

Eine Anrechnung im hochschulrechtlichen Sinn (ECTS, Modul-Äquivalenz) ist im Berufsausbildungsrecht nicht vorgesehen. Studienleistungen wirken mittelbar:

Für das Verkürzungsverfahren reicht die Kammer in der Regel folgende Nachweise ein: Hochschulzugangsberechtigung, aktuelle Leistungsübersicht der Hochschule (Transcript of Records), Exmatrikulationsbescheinigung sowie eine kurze formlose Begründung mit Bezug zwischen Studieninhalten und Ausbildungsberuf. Auskunft im Einzelfall erteilt die für den Ausbildungsbetrieb zuständige Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer oder zuständige Stelle nach dem jeweiligen Berufsbildungsrecht.

Vergütung und Finanzen

Die monatliche Ausbildungsvergütung wird durch Tarifvertrag oder - bei nichttarifgebundenen Betrieben - nach Branchenüblichkeit festgelegt; sie darf die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nach § 17 Abs. 2 BBiG nicht unterschreiten.

Position Höhe 2026 (brutto, ungefähr)
Gesetzliche Mindestausbildungsvergütung, 1. Lehrjahr 682 €
Industrie- und Handelskammer-Berufe (kaufmännisch), 1. Lehrjahr 1.000 - 1.300 €
Industriekaufmann/-frau, 3. Lehrjahr rund 1.350 - 1.420 €
Fachinformatiker/in, 1. Lehrjahr (tariflich) rund 1.000 - 1.100 €
Berufsausbildungsbeihilfe (BAB), Höchstsatz 822 € monatlich

Die Berufsausbildungsbeihilfe nach §§ 56 ff. SGB III kommt in Betracht, wenn die Auszubildenden für die Ausbildung nicht mehr im Elternhaus wohnen können - typischerweise bei einer Pendelzeit von über zwei Stunden täglich. Die Höhe richtet sich nach Bedarf, Vergütung und Einkommen der Eltern. Der Antrag wird vor Ausbildungsbeginn bei der örtlichen Agentur für Arbeit gestellt.

Bezüge wie Wohngeld, Kindergeld bis zum 25. Lebensjahr und im weiteren Verlauf Aufstiegs-BAföG (AFBG) für Fortbildungen ergänzen die Vergütung. Der Übergang von BAföG zu BAB ist rechtzeitig anzuzeigen; Hinweise dazu im Ratgeber BAföG nach der Exmatrikulation.

Wo bewerben?

Für die Lehrstellensuche stehen mehrere offizielle Wege offen:

Hinweise für die Bewerbungsunterlagen:

Übergangs-Checkliste

  1. Beratungstermin vereinbaren. Hochschulteam der Agentur für Arbeit, IHK-/HWK-Ausbildungsberatung oder regionale Studienabbrecher-Initiative (siehe nächster Abschnitt).
  2. Exmatrikulation beantragen. Siehe Ratgeber Exmatrikulation beantragen.
  3. BAföG-Amt informieren (Mitwirkungspflicht nach § 60 SGB I). Details im Ratgeber BAföG nach der Exmatrikulation.
  4. Krankenversicherung klären. Die studentische Versicherung endet mit der Exmatrikulation; eine lückenlose Anschlussversicherung ist Pflicht. Siehe Krankenversicherung nach der Exmatrikulation.
  5. Familienkasse informieren. Kindergeld kann während einer Übergangszeit von bis zu vier Monaten und während der gesamten Ausbildung bis zum 25. Lebensjahr weitergezahlt werden. Siehe Kindergeld nach der Exmatrikulation.
  6. Bei Bedarf arbeitsuchend melden. Wer zwischen Exmatrikulation und Ausbildungsbeginn eine Lücke überbrückt, kann sich bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend melden, um Beratungsangebote und ggf. Arbeitslosengeld II beziehungsweise Bürgergeld in Anspruch zu nehmen.
  7. Verkürzungsantrag vorbereiten. Mit dem Ausbildungsbetrieb gemeinsamen Antrag nach § 8 BBiG bei der zuständigen Kammer einreichen, idealerweise vor Vertragsbeginn.
  8. Berufsausbildungsbeihilfe prüfen. Online-Rechner und Antrag über die Bundesagentur für Arbeit.

Beratung in Anspruch nehmen

Die folgenden Stellen beraten kostenfrei und neutral:

Quellen

Hinweis

Dieser Ratgeber gibt allgemeine Hinweise nach bestem Wissen und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Sozialberatung im Einzelfall dar. Verbindliche Auskünfte erhalten Sie bei der Agentur für Arbeit, der zuständigen Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer, dem BAföG-Amt oder einer Rechtsberaterin.

Häufige Fragen

Lässt sich die Ausbildung wegen eines abgebrochenen Studiums verkürzen?
Ja. Nach § 8 BBiG kann die Ausbildungsdauer auf gemeinsamen Antrag von Auszubildenden und Ausbildungsbetrieb durch die zuständige Kammer verkürzt werden, wenn das Ausbildungsziel voraussichtlich auch in der verkürzten Zeit erreicht wird. In der Praxis sind sechs bis zwölf Monate üblich; bei einschlägigen Studienleistungen ab etwa 30 ECTS-Punkten häufig bis zu zwölf Monate. Der Antrag wird in der Regel vor oder zu Beginn der Ausbildung gestellt.
Werden bereits erbrachte Studienleistungen formal anerkannt?
Eine formale Anrechnung im Sinne einer Punkte- oder Modulanerkennung ist im Berufsausbildungsrecht nicht vorgesehen. Studienleistungen wirken sich indirekt aus: über die Verkürzung der Ausbildungsdauer (§ 8 BBiG) und über die vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung (§ 45 Abs. 1 BBiG). Maßgeblich ist die Einschätzung der zuständigen Kammer auf Grundlage eingereichter Leistungsnachweise.
Wie viel verdient man in einer Ausbildung nach dem Studienabbruch?
Die Ausbildungsvergütung richtet sich nach Branche und Tarifgebiet, nicht nach dem Vorbildungsweg. Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung beträgt 2026 im ersten Lehrjahr 682 Euro. In tarifgebundenen Berufen liegen die Bezüge spürbar höher: industrielle und kaufmännische IHK-Berufe zahlen häufig 1.000 bis 1.300 Euro brutto im ersten Lehrjahr, mit Steigerung pro Lehrjahr. Eine Verkürzung führt zum Eintritt in das jeweils höhere Lehrjahr und damit zu höheren Bezügen.
Welche staatliche Unterstützung kommt in Frage?
Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) nach §§ 56 ff. SGB III ist die wichtigste Leistung. Sie wird gezahlt, wenn der Auszubildende für die Ausbildung nicht im Elternhaus wohnen kann und die Vergütung nicht ausreicht. Der Höchstsatz liegt 2026 bei 822 Euro monatlich. Daneben bestehen je nach Lebenslage Anspruch auf Wohngeld, Kinderzuschlag oder - bei späterer Weiterbildung zum Meister oder Fachwirt - Aufstiegs-BAföG. Eltern können während der Ausbildung weiter Kindergeld beziehen, solange das 25. Lebensjahr nicht überschritten ist.
Wie erklärt man den Studienabbruch in der Bewerbung?
Die Empfehlung der Kammern und der Bundesagentur für Arbeit lautet: den Abbruch sachlich benennen, kurz begründen und den Bezug zum gewählten Ausbildungsberuf herstellen. Eine ausführliche Rechtfertigung ist nicht erforderlich. Betriebe schätzen den Praxisbezug und die im Studium erworbenen Schlüsselkompetenzen (selbstständiges Arbeiten, Fachenglisch, methodische Grundlagen) und werten den Abbruch in der Regel nicht als Defizit.
Endet mit dem Studium auch die Krankenversicherung?
Ja. Die studentische Pflichtversicherung endet mit dem Tag der Exmatrikulation. Zwischen Exmatrikulation und Ausbildungsbeginn entsteht eine Lücke, die eigenständig geschlossen werden muss (Familienversicherung bis 25, freiwillige gesetzliche Versicherung, Arbeitslosengeld-Bezug). Mit Ausbildungsbeginn meldet der Betrieb den Auszubildenden bei einer gesetzlichen Krankenkasse an. Mehr im separaten Ratgeber zur Krankenversicherung.